Kategorie Gesundheitsvorsorge

Altersdiabetes muss nicht sein

Von: red

Doch wie lässt sich das Risiko verringern? Neueste Studien zeigen: Nicht nur die Art der Ernährung ist entscheidend

Es kommt nicht auf das einzelne Kuchenstück an.
Wer Süßes liebt, muss nicht verzichten, sollte Kuchen und Süßspeisen aber nur ab und zu essen. © stock.adobe.com/contrastwerkstatt

Lange stand die Frage im Raum, ob Zucker oder Fett krank machen. Heute zeigt sich ein differenzierteres Bild. „Der Einfluss einzelner Nährstoffe wird zunehmend im Kontext des gesamten Ernährungsmusters bewertet“, erklärt Dr. med. Stefan Kabisch, Mitglied des Ausschusses Ernährung der Diabetes Gesellschaft (DDGkurz fürDigitale-Dienste-Gesetz).

Kabisch ist Studienarzt in der Klinik für Endokrinologie und Stoffwechselmedizin an der Charité in Berlin. Frühere Studien hätten vor allem gesättigte Fette, Zucker und stark verarbeitete Lebensmittel als Haupttreiber für einen Diabetes mellitus Typ 2, den sogenannten Altersdiabetes, identifiziert. Neue Analysen ergänzten dies mit der Erkenntnis: Entscheidend ist auch, wie Menschen insgesamt essen – also welche Lebensmittel sie kombinieren und wie häufig.

„Es kommt nicht auf das einzelne Kuchenstück zum Kaffeetrinken oder die Chips-Packung vor dem Fernseher an“, erläutert Kabisch. Wichtig sei, ob diese Lebensmittel in einen insgesamt gesunden Ernährungsplan eingestreut sind oder diesen dominieren. „Es geht also nicht um Verbote, sondern das richtige Verhältnis.“

Diabetessenker

Besonders deutlich seien die diabetespräventiven Effekte bei pflanzenbetonten Ernährungsweisen. Beobachtungsstudien zeigten, dass Menschen, die viel Gemüse, Vollkorn, Hülsenfrüchte und Nüsse konsumieren, seltener an Typ-2-Diabetes erkranken. „Entscheidend ist aber auch hier nicht ein einzelnes Lebensmittel, sondern die langfristige Qualität der gesamten Ernährung“, sagt Professor Dr. med. Thomas Skurk, Vorsitzender des Ausschusses Ernährung der DDGkurz fürDigitale-Dienste-Gesetz und Ernährungsmediziner an der Technischen Universität München.

Diabetestreiber

Neben schützenden Faktoren benennt die Forschung auch klare Risiken. Zuckerhaltige Getränke seien mit einem erhöhten Risiko für Typ-2-Diabetes assoziiert und sollten möglichst vermieden werden. Regelmäßig konsumiert würden sie zu schnellen Blutzuckeranstiegen führen und eine Gewichtszunahme sowie Insulinresistenz fördern.

Auch ein hoher Konsum von rotem und verarbeitetem Fleisch sei problematisch. Studien zeigen, dass das Risiko für Typ-2-Diabetes pro zusätzlich tägliche Portion statistisch um etwa 10 bis 20 Prozent höher ist.

Die Ernährungsmediziner betonen, dass viele Empfehlungen auf Beobachtungsstudien beruhen, da randomisierte Langzeit-Interventionsstudien bislang kaum durchgeführt wurden. Dennoch seien die Ergebnisse für viele Nährstoffe und Lebensmittel konsistent: „Die Richtung der Effekte ist eindeutig und diese decken sich auch mit bestehenden Interventionsstudien“, resümiert Kabisch.

Prävention

Ernährung ist ein zentraler Hebel in der Diabetesprävention: Modellrechnungen zeigen, dass ein günstiges Ernährungsmuster das Risiko für Typ-2-Diabetes theoretisch sogar um bis zu etwa 80 Prozent senken könnte. In der Praxis liegen die Effekte meist zwischen 20 und 40 Prozent.

„Leider weist die Entwicklung in Deutschland seit Jahren in die falsche Richtung: Mit rund 83 Gramm Zucker pro Tag, davon etwa 26 Gramm aus Getränken, liegt der Konsum der Deutschen klar über den empfohlenen Mengen. Besonders bedenklich ist, dass etwa jeder beziehungsweise jede Vierte der 14- bis 17-Jährigen täglich zuckerhaltige Getränke trinkt“, gibt Skurk zu Bedenken. „Gleichzeitig sinkt der Konsum gesunder Lebensmittel. Bei vielen Menschen ist die Ernährung also deutlich aus dem Gleichgewicht geraten.“ Neben Aufklärung brauche es politische Rahmenbedingungen, die jedem und jeder gesündere Entscheidungen im Alltag erleichtern.

Neueste Entwicklung

An einem Punkt gibt es Bewegung. Die Bundesregierung plant eine Zuckerabgabe ab 2028. Andere Länder haben es vorgemacht. In Großbritannien gibt es eine Zuckersteuer seit 2018; sie hat zu einer Zuckerreduktion in Getränken geführt.  

Ernährungstipps für den Alltag

Vollkorn statt Weißmehl verwenden. Getreideballaststoffe konsumieren. Sie stabilisieren den Blutzucker und senken vermutlich das Risiko für Typ-2-Diabetes.

Mehr pflanzliche Lebensmittel essen. Gemüse, Hülsenfrüchte und Nüsse unterstützen den Stoffwechsel und fördern die Sättigung.

Zuckerhaltige Getränke vermeiden. Softdrinks lassen den Blutzucker schnell ansteigen und fördern Gewichtszunahme.

Fleischkonsum reduzieren. Vor allem rotes und verarbeitetes Fleisch steht mit einem höheren Diabetesrisiko in Verbindung.

Wasser und ungesüßte Getränke bevorzugen. Sie sind die beste Wahl für den Alltag und beeinträchtigen den Blutzucker nicht.