Straßensozialarbeit wird neu aufgestellt
Die Bezirke übernehmen die Betreuung in Mitte und Altona, die Diakonie in Harburg
Hamburg organisiert seine Straßensozialarbeit neu. Ziel ist es, obdachlose Menschen schneller zu erreichen.

Mit einem neuen Konzept will die Sozialbehörde die Beratung, Versorgung und Unterbringung effektiver gestalten. Dabei wird die Neuorganisation schrittweise umgesetzt.
Im Bezirk Harburg übernimmt das Diakonische Werk in Zukunft die Straßensozialarbeit, in Hamburg-Mitte und Altona wird sie vollständig in öffentliche Verantwortung übergehen. Hintergrund ist, dass für die verschiedenen Bezirke unterschiedliche Ausgangssituationen bestehen. In Hamburg-Mitte sind bereits bezirkliche Strukturen vorhanden, die nun weiter ausgebaut werden können. In Altona wird die Straßensozialarbeit derzeit noch durch freie Träger geleistet. Parallel bereitet das Bezirksamt dort die Übernahme vor. Bis alles umorganisiert ist, gibt es eine Übergangsphase, in der die bestehenden Angebote weiterlaufen.
Studienergebnisse
Grundlage für die Neukonzeption ist eine wissenschaftliche Studie. Sie zeigt, dass sich die meisten obdachlosen Menschen in Hamburg-Mitte, Altona und Harburg aufhalten. Daher werden dort die Kapazitäten jetzt auch gezielt ausgebaut. Hamburg-Mitte erhält dafür fünf Vollzeitstellen, Altona und Harburg jeweils drei.
„Mit der Verfestigung von Obdachlosigkeit finden wir uns nicht ab“, betont Sozialsenatorin Melanie Schlotzhauer. „Deshalb stellen wir die Straßensozialarbeit in Hamburg grundlegend neu auf. Unser Ziel ist es, die Lebenslage obdachloser Menschen zu verbessern und Stadtteile zu entlasten. Künftig arbeiten wir stärker aktivierend, um Menschen schneller in Hilfs- und Beratungsangebote zu vermitteln. Hierfür stärken wir auch die Kooperation aller beteiligten staatlichen und nicht staatlichen Stellen. So bringen wir Hilfe näher zu den Menschen, die sie brauchen, und erreichen sie schneller und verlässlicher.“
Synergieeffekte
Die Zusammenarbeit vor Ort werde in Hamburg-Mitte und Altona mit der Neuorganisation deutlich erleichtert, teilt die Behörde mit. Abstimmungen erfolgten schneller, Wege würden kürzer und Hilfen früher greifen. Straßensozialarbeit, Fallkoordinierung, Unterbringung und Beratung arbeiteten so enger zusammen. Da zwischen Hamburg-Mitte und Altona enge Wegebeziehungen bestehen, ermögliche die eng abgestimmte Steuerung beider Bezirke eine flexiblere Reaktion und eine bessere Abstimmung der Angebote.
Im Bezirk Hamburg-Mitte habe sich dabei die Verbindung von Koordinierungsstelle und Straßensozialarbeit bereits bewährt. In Altona werde eine entsprechende Struktur derzeit aufgebaut. Das bezirksübergreifende Zusammenwirken beider Strukturen stärke die Wirksamkeit der Hilfen insgesamt.
Im Bezirk Harburg stelle sich die Situation ganz anders dar. Der Sozialraum dort sei eigenständiger, die Zielgruppe weniger stark mit der Innenstadt vernetzt. Eine trägergestützte Straßensozialarbeit mit dem Diakonischen Werk als langjährigen Partner bleibe hier der richtige Ansatz, so die Behörde.
In Wandsbek, Bergedorf, Hamburg-Nord und Eimsbüttel wird die Straßensozialarbeit in einem zweiten Schritt gestärkt – angepasst an die jeweiligen Bedarfslagen und im Rahmen der verfügbaren Haushaltsmittel. Dies erfolge insbesondere durch das Projekt „Visite Sozial“ sowie das Streetwork-Mobil. Diese überbezirklichen Angebote würden im Rahmen der Neukonzeption gezielt gestärkt.
Weitere Planung
Beim Projekt „Visite Sozial“ sei die Personalausstattung bereits von vier auf sechs Vollzeitäquivalente zuzüglich einer Teamleitungsstelle erhöht worden. Darüber hinaus befinde sich die Behörde zurzeit in den Planungen für eine weitere Stärkung dieses Projekts. Es sollen zwei weitere Vollzeitäquivalente entstehen und ein zweites kleineres Streetwork-Mobil angeschafft werden