„Wir dürfen keinen zurücklassen“
Bernd Siggelkow ist Vordenker 2026 – Seine Stiftung stärkt Heranwachsende und macht sie fit fürs Leben

Bernd Siggelkow ist vielen aus Funk und Fernsehen bekannt. Er ist Gründer und Vorstand der Stiftung „Die Arche“. Für seine Arbeit mit Kindern und Jugendlichen wird er in diesem Jahr mit dem Vordenker-Preis 2026 ausgezeichnet.
Sozialarbeiter und Pastor Bernd Siggelkow ist in Hamburg geboren und in St. Pauli unter schwierigen Bedingungen aufgewachsen. Am 25. November 1995 eröffnete er in Berlin-Hellersdorf die erste Arche als Anlaufstelle für emotional und körperlich ausgehungerte Kinder. Heute besuchen bis zu 10.000 Kinder und Jugendliche die mittlerweile 34 Arche-Standorte in ganz Deutschland sowie in Polen und der Schweiz. Auch in Hamburg gibt es drei Anlaufstellen.
Die Auszeichnung „Vordenker 2026“ erhält Siggelkow nicht nur für sein „Sozialprojekt“. Denn die Versorgung mit Nahrung und Kleidung sowie die Betreuung der Kinder und Jugendlichen stellen nur einen Teil der Arche-Arbeit dar. Ebenso wichtig ist nach Ansicht der unabhängigen Jury die „Stärkung der Heranwachsenden für ein eigenständiges Leben mit Schulbildung, Herzensbildung und Sozialbildung“. Wörtlich heißt es in der Jury-Begründung: „Das Projekt Arche ist vordenkend, weil der Gründer erkannt hat, dass eine frühzeitige Investition in Kinder nicht nur den Betroffenen hilft, sondern am Ende auch für die Gesellschaft einen unverzichtbaren Mehrwert stiftet.“
Frühzeitige Hilfen bedeuten vor allem: Kinder werden gesehen und unterstützt, bevor Probleme sie belasten. Davon profitieren nicht nur sie selbst, sondern auch die Gesellschaft insgesamt. Denn rechtzeitig zu helfen ist nicht nur ein Gebot der Menschlichkeit, sondern auch langfristig weit sinnvoller, als später mühsam die Folgen versäumter Unterstützung beheben zu müssen. Ohne die Arbeit der Arche würden viele Kinder zu den 62 000, die jährlich die Schule ohne Abschluss verlassen, hinzuaddiert werden müssen.
„Wer sich um die Bildung und Chancengleichheit der heranwachsenden Generation derart umfassend und nachhaltig verdient macht wie Bernd Siggelkow, ist ein Vordenker und ein Vorbild zugleich“, lobt Professor Dr. Gabriel Felbermayr. Der Wirtschaftsweise leitet die unabhängige Jury, zu der unter anderem auch seine Kollegin Prof. Dr. Monika Schnitzer, der Journalist Dr. Claus Kleber und die ehemalige deutsche Biathletin Magdalena Neuner gehören.
Investition in die Zukunft
„Wir können es uns nicht leisten, Kinder aus schwachen sozialen Umfeldern zurückzulassen“, erklärt Siggelkow anlässlich der Preisverleihung. „Menschliche Betreuung und vor allem Bildung ist der Schlüssel, um diesen Kindern eine Perspektive zu geben.“ Davon würden nicht nur diese jungen Menschen, sondern auch die gesamte Gesellschaft profitieren. Wenn genau dieser Nachwuchs in zehn oder 20 Jahren zu Fachkräften herangewachsen ist, würde man sie sicherlich noch dringender als heute brauchen.
„In diesem Sinne ist die Preisvergabe in diesem Jahr nicht nur ein Dank an die Arche und ihren Gründer, sondern zugleich Mahnung an Politik und Gesellschaft, mehr in die frühkindliche Bildung und die Begleitung Jugendlicher zu investieren“, sagt Heiko Hauser, Geschäftsführer der Finanzberatungsgruppe Plansecur, die den Preis vor fast 20 Jahren aus der Taufe gehoben hat. Seitdem ehrt das Vordenker-Forum jedes Jahr herausragende Persönlichkeiten, welche die Zukunft der Gesellschaft in Deutschland maßgeblich mitgestalten. Ziel der Preisverleihung ist es, den gesellschaftlich wichtigen Themen „Mutiges Vordenken und tatkräftiges Handeln“ Aufmerksamkeit und Gewicht zu verleihen. Die Bekanntgabe des diesjährigen Preisträgers fand zum Internationalen Kindertag am 1. Juni statt. Der Preis selbst wird im Oktober im Rahmen des Vordenker-Forums in Frankfurt am Main verliehen.
Engagement in Hamburg
In der Hansestadt stehen Kindern und Jugendlichen drei Archen in den Brennpunkten Jenfeld, Billstedt und Harburg offen. Sie begleiten Kinder über viele Jahre. Manche Kinder kommen schon im Grundschulalter und wechseln später ins Jugendhaus. Dort schaffen sie mit Hilfe von Begleitpersonen dann ihren Schulabschluss. Sie bekommen Hilfe in persönlichen schwierigen Lebenslagen und finden mit Hilfe der Mitarbeitenden einen Ausbildungsplatz. Mit ihrer Arbeit erreichen die drei Archen in Hamburg rund 1600 Kinder und Jugendliche im Jahr. Mehr unter