Kategorie Wohnen Pflege

Wohnen bleiben im Quartier

Von: red

Die Hansestadt startet ein Modellvorhaben mit sechs Anlaufstellen in sechs Bezirken 

Hamburg gilt als vergleichsweise „junge“ Stadt. Denn nur gut ein Fünftel der Menschen hier sind 65 Jahre oder älter.

Entspannt alt werden in Hamburg.
Schön, wenn man dort alt werden kann, wo man sich wohlfühlt. © stock.adobe.com/Brigitte Bohnhorst

Das heißt im Umkehrschluss: Schon heute leben gut 350.000 ältere Menschen in der Hansestadt – Tendenz steigend. Und viele von ihnen möchten dauerhaft in ihrem vertrauten Wohnumfeld bleiben.

Auch Menschen, die pflegebedürftig sind oder den Partner verloren haben, wünschen sich ein selbstbestimmtes Wohnen zu Hause oder zumindest in ihrem vertrauten Umfeld. Dazu braucht es laut Behörden nicht nur barrierearme Wohnungen. Nötig sind auch eine gesicherte Versorgung durch Pflegedienste, die Unterstützung durch Nachbarn oder Nachbarschaftshilfe und eine professionelle Koordinierung aller dieser Angebote.

Hier setzt das neue Modellvorhaben der Stadt Hamburg an. Die zuständigen Behörden erproben in Zusammenarbeit mit den Pflegekassen und sechs Bezirksämtern, wie ältere Menschen im eigenen Quartier mit innovativen Maßnahmen unterstützt werden können. Dabei geht es um Pflege- und Hilfsangebote, gemeinschaftlich nutzbare Räume, nachbarschaftliche Aktivitäten, eine übergreifende Quartierskoordinierung und eine barrierearme Gestaltung des Wohnumfelds. 

Finanziert wird dieses Vorhaben zur Hälfte durch die Pflegekassen und von Hamburgs Stadtentwicklungsfonds „Lebendige Quartiere“. Möglich macht es die Einführung einer Förderung nach § 123 SGBkurz fürSozialgesetzbuch XI. Damit können sich Pflegekassen an Unterstützungsmaßnahmen für Pflegebedürftige vor Ort und im Quartier beteiligen. Das gesamte Fördervolumen liegt bei rund 5,2 Millionen Euro. 

Was ist neu?

Die Idee des Vorhabens ist, dass Quartierspflegedienste zu zentralen Anlaufstellen für die Beratung werden und eine Kümmerer-Funktion übernehmen. Sie sollen die pflegerische Versorgung am Tag und in der Nacht sicherstellen. Gleichzeitig ist ihre Aufgabe, die Angebote vor Ort zu koordinieren. Dazu sollen sie eng mit bestehenden Strukturen zusammenarbeiten sowie nachbarschaftliche Netzwerke und ehrenamtliches Engagement einbinden. 

Die neuen Quartierstreffs sollen zentrale Orte zur Begegnung sowie für Beratung und Unterstützung werden. Der Zugang zu den verschiedenen Hilfsangeboten könne so niedrigschwellig erfolgen, teilen die Behörden mit. Gleichzeitig wachse der soziale Zusammenhalt.

„Wenn Menschen älter werden, wird das eigene Zuhause oft noch wichtiger – als Ort der Sicherheit, der Vertrautheit und des eigenen Alltags“, betont Sozialsenatorin Melanie Schlotzhauer. Entscheidend sei dann die Frage: Wie kann Hilfe so organisiert werden, dass ein Leben zu Hause auch bei Unterstützungsbedarf möglich bleibt? „Genau hier setzen wir mit den Modellprojekten an. Wir bringen Hilfe näher zu den Menschen – direkt vor Ort – und sorgen dafür, dass sie einfacher erreichbar ist. Dass jemand da ist, der berät, begleitet und den Überblick behält. Und dass niemand lange suchen muss, wenn Hilfe gebraucht wird.“

„Viele Menschen möchten in der eigenen Wohnung oder zumindest im vertrauten Quartier alt werden“, weiß auch Karen Pein, Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen. „Dafür braucht es mindestens barrierearme Wohnungen und ein Umfeld, das auf den erhöhten Pflege- und Assistenzbedarf eingeht.“ Schon die fünf LeNa-Projekte der SAGA (siehe linke Spalte) würden zeigen, wie das funktionieren könne. Mit den sechs neuen Modellprojekten würden nun weitere Versorgungslücken geschlossen und Zugänge zu Unterstützungsangeboten vereinfacht. Denn die Selbstständigkeit von pflegebedürftigen Menschen habe Priorität.

Die Modellprojekte werden gezielt in Quartieren mit besonderem Entwicklungsbedarf und einer hohen Einwohnerdichte umgesetzt. Sie werden wissenschaftlich begleitet durch die Universität Osnabrück. Es wird untersucht, wie Strukturen funktionieren können und die pflegerische Versorgung weiterentwickelt werden kann. 

Wer macht mit?

Die sechs Modellprojekte werden von verschiedenen sozialen Einrichtungen betrieben und befinden sich in

Hamburg-Mitte: AWO Hamburg Seniorenwohnen und Pflege, Wohnen bleiben im Quartier Mümmelmannsberg

Eimsbüttel: Immanuel Albertinen Diakonie/Albertinen-Haus, Quartiersanker Albertinen-Haus

Hamburg-Nord: ASB Sozialeinrichtungen (Hamburg) – Netzwerkquartier Langenhorn

Wandsbek: Gesundheit für Billstedt/Horn Gemeinsam Gesund gUG, Zusammen.Altern.Hohenhorst

Bergedorf: Alsterdorf Assistenz Ost, Gesund im Quartier: Mobile Community Health Nurses

Harburg: DRKkurz fürDeutsches Rotes Kreuz Hamburg Soziale Dienste, Wohnen bleiben im Quartier Neuwiedenthal 

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