Bessere Versorgung für chronisch Schmerzkranke
In Hamburg führt die Asklepios Klinik St. Georg das neue Konzept ein – Die Physiotherapie ist von Anfang an integriert

Für chronisch Schmerzerkrankte soll es in Zukunft eine bessere Versorgung geben. Die Barmer und die Techniker Krankenkasse haben gemeinsam mit der Deutschen Schmerzgesellschaft ein neues Therapiekonzept entwickelt. Die sogenannte interdisziplinäre multimodale Schmerztherapie (IMST) wird seit kurzem bundesweit von zwölf Krankenhäusern angeboten, in Hamburg von der Asklepios Klinik St. Georg.
Die IMST umfasst umfangreichere Leistungen sowie einen intensiveren Austausch der beteiligten Fachdisziplinen Rheuma-, Physio- und Psychotherapie. Sie erfolgt tagesklinisch oder vollstationär über sieben bis 28 Tage.
„In Deutschland leiden Millionen Menschen unter chronischen Schmerzen“, betont der Präsident der Deutschen Schmerzgesellschaft, Professor Frank Petzke. Für viele von ihnen bedeute dies eine jahrelange Odyssee ohne adäquate Behandlung. Die jetzt zusätzlich zur Regelversorgung vereinbarten Leistungen stärkten die Versorgung von Schmerzpatienten in Hamburg, freut sich Dr. Susanne Klein, Landesgeschäftsführerin der Barmer. „Sie gewinnen im Idealfall deutlich an Lebensqualität.“ Ziel der Behandlung sei es, dass sie dadurch ihre Therapieziele besser erreichen und zum Beispiel körperliche Schwächen abbauen oder Bewegungsängste minimieren, so Maren Puttfarcken, Leiterin der TK-Landesvertretung in Hamburg.
Rückenschmerzen
„Der Qualitätsvertrag bietet hervorragende Voraussetzungen für eine deutlich verbesserte Diagnostik und Therapie bei Patientinnen und Patienten mit Rückenschmerzen“, erklärt Christian Rauscher, Leiter des Rückenzentrums im Klinikum St. Georg. Besonders erfreulich sei, dass die Physiotherapie nun verbindlich und als fester Bestandteil in die Versorgung integriert werde und dass es gemeinsame Abschlussbesprechungen mit dem Behandlungsteam und den Patienten gebe. „Auch vor und nach dem Klinikaufenthalt wird es künftig eine bessere Betreuung und Begleitung durch die Behandler geben“, so Rauscher.
Die Qualitätsverträge wurden von den beiden Krankenkassen mit der Deutschen Schmerzgesellschaft entwickelt. Der Beitritt zu den vorliegenden Verträgen ist auch anderen gesetzlichen Krankenkassen möglich. Die Kliniken nehmen am Schmerzregister der Deutschen Schmerzgesellschaft teil. Das soll zur Qualitätssicherung beitragen.
Weitere Standorte
Die neue Therapieform ist an bis zu 20 Standorten in ganz Deutschland geplant. Außer in Hamburg wird die IMST-Versorgung momentan an den Unikliniken in Freiburg, Göttingen, Jena, Lübeck und Würzburg sowie in Berlin am Franziskus-Krankenhaus und am Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe, in Brakel (NRW) am St. Vincenz Hospital, in Bremervörde an der OsteMed Klinik, in Frankfurt (Oder) am Rhön-Klinikum und in Sendenhorst am St.-Josef-Stift angeboten.
Etwa 23 Millionen Menschen (28 Prozent) berichten in Deutschland über chronische Schmerzen. Bei 95 Prozent der Betroffenen sind die chronischen Schmerzen nicht durch Tumorerkrankungen hervorgerufen. Sechs Millionen Menschen erfüllen die Kriterien eines chronischen, nicht tumorbedingten, beeinträchtigenden Schmerzes. 2,2 Millionen in Deutschland leiden unter chronischen, nicht tumorbedingten Schmerzen mit starker Beeinträchtigung und assoziierten psychischen Beeinträchtigungen (Schmerzkrankheit).