Kategorie VdK-Zeitung Tipp Gesundheit

Digitale Zweitmeinung

Von: red

TK rät zur Online-Beratung vor einer Kniegelenk-OP

Die Techniker Krankenkasse (TK) bietet ihren Versicherten eine neue Möglichkeit der Zweitmeinung. 

Eine Frau fasst sich mit beiden Händen an ihr linkes Kniegelenk.
Jede Knie-OP sollte gut überlegt sein. © stock.adobe.com/Yura Yarem

Über eine Online-Plattform können sie die Notwendigkeit einer Kniegelenkersatz-Operation nach ärztlichen Leitlinien überprüfen lassen. 

„Der Ersatz des natürlichen Gelenks durch eine künstliche Knie-Endoprothese gehört mit rund 230.000 Eingriffen im Jahr zu den häufigsten Krankenhausleistungen in Deutschland“, erklärt der TK-Vorstandsvorsitzende Dr. Jens Baas. Gleichzeitig zeigten die Auswertungen der TK-Schmerzzentren, dass 85 Prozent der Eingriffe verfrüht seien. Denn viele Patientinnen und Patienten könnten mit einem gezielten Muskelaufbau noch länger ohne Knieprothese auskommen, so Baas. „Zudem haben künstliche Gelenke eine begrenzte Haltbarkeit.“ Und jeder Eingriff sei mit Risiken verbunden.

Um einem verfrühten Eingriff vorzubeugen und noch mehr Versicherte schnell beraten zu können, hat die TK eine neue Kooperation mit dem Start-Up DocRobin abgeschlossen. Versicherte mit einer Empfehlung für einen Kniegelenkersatz können das Online-Portal des Start-Ups zu Hause kostenfrei nutzen. Der Avatar von Professor Wolfgang Böcker, Direktor der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie an der Ludwig-Maximilians-Universität München und einer der Gründer von DocRobin, befragt sie unter anderem zu Schmerzen, bisherigen Behandlungen und Mobilitätseinschränkungen. Anschließend laden die Patienten ihre Röntgenbilder im Portal hoch.

Die Bilder würden unterstützt von künstlicher Intelligenz (KI) analysiert, erklärt die TK. Anschließend beurteilten die Ärzte eines Orthopädischen Fachzentrums die medizinischen Unterlagen. Die Versicherten erhielten so schon innerhalb von zwei Werktagen ein individuelles ärztliches Zweitmeinungs-Gutachten. Dieses zeige OPkurz fürOperation-Alternativen auf oder bestätige die OPkurz fürOperation-Empfehlung. Auf Wunsch könnten die Versicherten das Ergebnis auch per Telefon oder Videosprechstunde mit den Fachärzten besprechen.

„Die Patientinnen und Patienten erhalten so Sicherheit für ihre Entscheidung“, sagt Professor Böcker. Das Angebot sei zu 100 Prozent leitliniengerecht, was heißt, dass die Beratung Tipps für eine angemessene medizinische Versorgung gebe. Denn: Der Avatar stelle exakt die Fragen, die nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft auch Ärztinnen und Ärzte vor der Empfehlung eines Gelenkersatzes stellen würden. Da diese Zweitmeinung zudem völlig losgelöst von der weiteren Behandlung erfolge, wäre eine unabhängige und qualitativ hochwertige Zweitmeinung sichergestellt.

„Zu viele leerstehende Krankenhausbetten und finanzielle Anreize, diese zu füllen, sorgen derzeit leider dafür, dass sich in Zweifelsfällen eher für als gegen eine Operation entschieden wird“, bedauert Professor Böcker. Zweitmeinungsangebote wie DocRobin seien ein wichtiges Korrektiv, mit dem die Patienten sehr einfach und kostenlos überprüfen könnten, ob der Eingriff wirklich notwendig sei.