Kategorie Kinder und Jugendliche Gesundheit

Entwicklungsstörungen frühzeitig erkennen

Von: red

Vorsorgeuntersuchung U10 wird in Hamburg wenig genutzt – Auch weniger kleine Kinder werden untersucht

Eine Ärztin untersucht ein Mädchen.
Die Vorsorge für Kinder ist kostenlos. © stock.adobe.com/Prostock-studio

In Hamburg nutzen nur 26 Prozent der Familien die freiwillige und kostenlose Kindervorsorgeuntersuchung U10. Dies zeigt der aktuelle Gesundheitsreport der AOK Rheinland/Hamburg. Auch die verpflichtenden Früherkennungsuntersuchungen für kleiner Kinder werden von Hamburger Familien seltener wahrgenommen.

Die U10-Untersuchung ist eine Früherkennungsuntersuchung für Kinder im Grundschulalter (7 bis 8 Jahre). Im Gegensatz zu den gesetzlich vorgeschriebenen Untersuchungen (U1 bis U9 und J1) ist die U10 nicht im Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung enthalten und für Familien nicht verpflichtend. Dennoch bieten verschiedene Krankenkassen wie die AOK ihren Versicherten die kostenlose Teilnahme an der Untersuchung an. Damit soll die große Lücke bis zur gesetzlich geforderten J1-Untersuchung, die für Zwöljährige vorgesehen ist, überbrückt werden. Schwerpunkt der U10-Untersuchung ist das Erkennen von Entwicklungsstörungen. Dabei geht es um Lese-Rechtschreib-Schwächen, Störungen der motorischen Entwicklung und Verhaltensstörungen wie ADHS, was häufig erst nach dem Schuleintritt deutlich wird. Auch die Mediennutzung wird betrachtet.

Nach Auswertungen des aktuellen AOK-Gesundheitsreports machte im Jahr 2023 aber nur jede vierte Familie in der Hansestadt von dieser Früherkennung Gebrauch. Hamburg bildet mit Remscheid das Schlusslicht. In Aachen (55,9 Prozent) und Oberhausen (59,1) nutzten mehr als die Hälfte der Familien das Angebot. Zudem zeigen die Auswertungen einen rückläufigen Trend: Im Verlauf der Jahre 2019 bis 2023 sank die Inanspruchnahme der U10-Untersuchung um 10 auf rund 26 Prozent. 

„Jedes Kind wächst und entwickelt sich in seinem eigenen Tempo. Die Früherkennungsuntersuchungen zeigen auf, ob sich alles in einem normalen Rahmen bewegt oder ob Auffälligkeiten vorliegen, die man genauer beobachten oder behandeln sollte“, erklärt Thomas Bott, Regionaldirektor der AOK in Hamburg. Denn für viele Entwicklungsstörungen gelte: Je früher sie erkannt werden, desto schneller könne darauf reagiert und gegengesteuert werden.

Auch für die verpflichtenden Kindervorsorgeuntersuchungen U7 bis U9 zeigen die Daten der AOK Rheinland/Hamburg einen Rückgang: Ließen 2019 noch über 95 Prozent der Hamburger Familien ihre zweijährigen Kinder im Rahmen der U7-Untersuchung checken, waren es 2023 nur noch 92,3 Prozent. Die gleiche Tendenz zeigt sich bei den Untersuchungen der Drei- bis Fünfjährigen.