Frauen ticken anders
Beim Senatsempfang zum Frauentag ging es um gendersensible Medizin
Der diesjährige Senatsempfang zum Internationalen Frauentag befasste sich mit dem Thema genderspezifische Medizin.

Genderspezifische Medizin. berücksichtigt biologische und soziale Geschlechtsunterschiede in Forschung, Diagnostik und Therapie. Beim Treffen mit dabei war auch VdK-Landesvorsitzende Renate Schommer.
„Demokratie lebt davon, dass Macht nicht statisch ist, sondern immer wieder neu verteilt wird. Das gilt auch für die Medizin: Lange Zeit wurde der männliche Körper hier als Referenz für Diagnosen und Behandlungen betrachtet“, erklärte Professorin Parisa Moll-Khosrawi, die am Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) als tätige Anästhesistin und Hochschullehrerin tätig ist. Frauen hingegen wären in klinischen Studien strukturell unterrepräsentiert.
Gleiches Recht
Da der weibliche Körper in der medizinischen Forschung und Versorgung bisher oft nicht mitberücksichtigt wurde und werde, würden Frauen durchschnittlich mehr Jahre in schlechter Gesundheit verbringen als Männer. „Wenn wir es aber ernst meinen mit dem gleichen Recht aller Menschen auf Gesundheit, dann müssen wir erkennen, dass diese Gesundheit unterschiedlich erlebt, ausgedrückt und behandelt wird“, so Professorin Moll-Khosrawi. Genau dafür stehe genderspezifische Medizin. „Sie bedeutet, den einzelnen Menschen in seiner biologischen, psychischen und sozialen Realität ernst zu nehmen.“
Nach dem Auftaktreferat diskutierte die Professorin dazu auf dem Podium mit der Autorin und Aktivistin Christina Pingel, der Medizinstudentin Feline Kristukat und der Vizepräsidentin der Ärztekammer Hamburg, Dr. Birgit Wulff. Moderiert wurde der Abend von der Autorin und Journalistin Susanne Weingarten und begleitet vom Frauenchor der Hochschule für Musik und Theater.
„Ob Gender-Pay-Gap, Gender-Care-Gap, Gender-Data-Gap, politische Unterrepräsentanz, Partnerschaftsgewalt, Bedrohung reproduktiver Rechte – Frauenrechte sind kein Komfortthema und sie stehen nicht für sich allein“, betonte die Gleichstellungssenatorin Maryam Blumenthal, die zum Senatsempfang eingeladen hatte. Wer sich für Frauenrechte einsetze, müsse sich auch für Rechte von queeren Menschen, für von Rassismus oder Antisemitismus Betroffenen und für Menschen mit Behinderungen einsetzen. „Denn wo all diese Rechte angegriffen werden, wird Demokratie abgebaut“, erklärte die Senatorin, „und wo wir sie gemeinsam verteidigen, verteidigen wir unsere Zukunft.“ Auch wenn in Hamburg schon viel erreicht worden sei, gebe es noch viel zu tun. „Um die Situation von Frauen zu verbessern, müssen wir ihre Realitäten in allen gesellschaftlichen Bereichen sichtbar machen – auch in der Medizin.“