Kategorie Gesundheitsvorsorge

Für einige kann es gefährlich werden

Von: red

Zu wenige ältere Menschen in Hamburg lassen sich gegen Grippe impfen

Inzwischen ist die Grippewelle vorbei – Zeit, über den Grippeimpfschutz im Herbst nachzudenken. 

Eine ältere Frau mit Schmerzen in ihrem Wohnzimmer– ein Notfall auf dem Sofa.
Wer Probleme mit dem Herz hat, sollte sich vor der Grippesaison impfen lassen. © stock.adobe.com/Chanelle Malambo/peopleimages.com

Dabei fällt auf: Die Grippeimpfquote in Hamburg bleibt deutlich hinter internationalen Zielen zurück. Wie der aktuelle Arzneimittelreport der Barmer zeigt, waren 2023 lediglich 38,4 Prozent der über 60-jährigen Barmer-Versicherten in der Hansestadt gegen Influenza geimpft.

Besonders problematisch ist die Situation bei Risikogruppen. Bundesweit erhielt mehr als die Hälfte der Pflegebedürftigen sowie der Herzinfarktpatientinnen und -patienten keine Impfung. „Eine Grippeimpfung kann Leben retten. Bei Herzpatientinnen und -patienten verbessert sie nachweislich die Überlebenschancen. Dennoch werden wichtige Empfehlungen zu selten umgesetzt“, kritisiert Dr. Susanne Klein, Landesgeschäftsführerin der Barmer in Hamburg. Internationale Fachgesellschaften würden die Impfung als festen Bestandteil der Vorsorge für Herzkranke empfehlen. Hausärztinnen und Hausärzte spielten dementsprechend eine zentrale Rolle bei der Aufklärung.

Unterschiede

Besonders niedrig sind die Quoten in Hamburg laut Barmer bei den 60- bis 64-Jährigen mit 25,4 Prozent sowie bei den 65- bis 69-Jährigen mit 33,8 Prozent. Erst ab 80 Jahren steigen die Werte auf gut 47 Prozent. Damit wird das WHO-Ziel von 75 Prozent weiterhin deutlich verfehlt. Viele Menschen würden den von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlenen Impfbeginn ab 60 Jahren offenbar noch nicht als notwendig wahrnehmen, so Barmer-Landeschefin Klein. Auch die seit 2022 mögliche Impfung in Apotheken habe die Gesamtquote kaum beeinflusst: 99,5 Prozent der Impfungen bei den über 60-Jährigen in Deutschland erfolgten weiterhin in Arztpraxen.

Deutliche Defizite gibt es laut Barmer-Report zudem beim Grippeschutz für Menschen mit Pflegebedarf. Bundesweit waren lediglich 48,9 Prozent der stationär gepflegten und 45,6 Prozent der zu Hause gepflegten Menschen ab 60 Jahren geimpft. Pflegebedürftige ab 70 Jahren wurden sogar seltener geimpft als gleichaltrige Menschen ohne Pflegebedarf. „Gerade für Pflegeheimbewohnende kann eine Influenza-Infektion extrem gefährlich sein. Hier müssen wir dringend nachbessern“, sagt Klein. Auch für Menschen mit Herzerkrankungen ist die Grippe riskant. Die Impfung kann bei akutem Koronarsyndrom das Risiko für schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse um 30 bis 40 Prozent senken. Trotzdem bleiben die Impfquoten niedrig. „Dass sich unter den über 60-jährigen Barmer-Versicherten mit überstandenem Herzinfarkt nur 43,3 Prozent impfen lassen, also kaum mehr als die 40,6 Prozent ohne Herzinfarkt, ist völlig unverständlich“, so Klein.

Potenzial der ePA

Um die Impfquote dauerhaft zu erhöhen, setzt Barmer-Landeschefin Klein auf einen konsequenteren Einsatz der elektronischen Patientenakte (ePA). „Die ePA steht uns seit einem Jahr als wichtiges digitales Gesundheitswerkzeug zur Verfügung. Jetzt gilt es, ihr Potenzial vollständig auszuschöpfen.“ Der digitale Impfpass, der bereits als Pflichtfunktion der ePA vorgesehen ist, müsse schnellstmöglich integriert werden. Zudem könnten die in der ePA hinterlegten Daten künftig dabei helfen, individuelle Risikofaktoren frühzeitig zu erkennen und Versicherte gezielt an ausstehende Impfungen zu erinnern. „Diese Chance für mehr Prävention und Gesundheitsschutz sollten wir dringend nutzen“, fordert Susanne Klein.