Gehen und Treppensteigen trainiert
Besonders im höheren Alter ist Bewegung wichtig – wie, erklärt der Leiter der Rückenschule Hannover

„Wer aufhört, sich zu bewegen, erhöht durch Muskelabbau sein Sturzrisiko und riskiert seine Unabhängigkeit“, warnt Ulrich Kuhnt, Sportwissenschaftler und Leiter der Rückenschule Hannover. Als Experte der Aktion Gesunder Rücken (AGR) empfiehlt er, das Potenzial von Treppensteighilfen und Rollatoren nicht zu unterschätzen. Sie würden helfen, die Mobilität im höheren Lebensalter zu erhalten. Doch nicht alle Hilfsmittel wären empfehlenswert.
Im Alter werden Stürze häufiger und sind oft mit schwerwiegenderen Folgen als bei jüngeren Menschen verbunden. Statistisch gesehen, stürzen etwa 30 Prozent der Menschen über 65 Jahren, die zu Hause leben, mindestens einmal im Jahr. In Pflegeeinrichtungen ist diese Zahl noch höher: dort sind es 50 Prozent der Heimbewohnerinnen und -bewohner. Gesundheitliche Probleme wie Sehschwäche, Muskelschwäche oder Schwindel, erhöhen das Risiko zu stürzen noch, ebenso Hindernisse und Stolperfallen in der Wohnung.
Muskulatur stärken
Doch das bedeute nicht, dass ältere Menschen sich aus Angst vor Verletzungen weniger bewegen sollten, meint Sportwissenschaftler Kuhnt. „Gerade im Alter ist es wichtig, die Muskulatur zu stärken und die Koordination zu trainieren.“ Das steigere nicht nur die körperliche, sondern auch die mentale Fitness. Bewegung und Gleichgewichtsübungen seien entscheidend, um die Mobilität zu erhalten und Rückenschmerzen vorzubeugen.
Wer sich beim Gehen unsicher fühle, könne aber auch auf Hilfsmittel wie Rollatoren oder Treppensteighilfen zurückgreifen. Sie seien besonders hilfreich bei Gleichgewichtsproblemen, Muskelschwäche oder Schmerzen. „Muskeln und Gelenke sollen durch Hilfsmittel nicht geschont, sondern individuell angemessen belastet werden“, sagt Ulrich Kuhnt. Eine Gehhilfe ermögliche es, längere Strecken zurückzulegen, einen Spaziergang oder Besorgungen zu machen und bei Bedarf Pausen einzulegen.
„Auch Treppensteigen ist ein hervorragendes Training für den gesamten Körper“, sagt der Rückenexperte. „Mit Treppensteighilfen können Senioren diese alltägliche Herausforderung sicher und selbstständig meistern und, anders als beim Treppenlift, gleichzeitig ihre Muskeln stärken.“ Hebel, Bügel oder Gurtsysteme erleichterten das Hinauf- und Hinabgehen, indem sie die Belastung reduzieren und sicheren Halt geben.
Hilfsmittel im Test
Doch nicht jedes Hilfsmittel sei auch wirklich rückenfreundlich, erläutert Experte Kuhnt. „Ein Rollator sollte leicht sein, über ergonomische Griffe verfügen und sich einfach zusammenklappen lassen.“ Große Räder und starke Bremsen würden Stabilität auf unebenem Gelände bieten und zusätzliche Funktionen wie Körbe den Transport von Einkäufen und Gepäck erleichtern.
Doch wie erkennt man, welche Hilfsmittel geeignet sind? Die AGR zertifiziert besonders rückenfreundliche Produkte nach einer umfassenden Prüfung durch eine unabhängige Fachkommission mit dem sogenannten „AGR-Gütesiegel“. Treppensteighilfen, die damit ausgezeichnet wurden, müssen unter anderem an die Körpergröße anpassbar sein und über ergonomisch geformte Griffe verfügen. Zudem sollten Benutzer den Griff leicht lösen und feststellen können.
Gezielte Übungen
Neben der Nutzung von Hilfsmitteln empfiehlt Ulrich Kuhnt regelmäßige Übungen zur Kräftigung der Muskulatur und Verbesserung der Koordination und des Gleichgewichts. „Das Zähneputzen im Einbein-Stand oder das Schnüren der Schuhe im Stehen sind einfache, aber effektive Übungen, die in den Alltag integriert werden können“, rät er. „Jede Bewegung zählt und trägt dazu bei, mobil zu bleiben, das Sturzrisiko zu minimieren und die Lebensqualität zu steigern.“
Zusätzlich zu den körperlichen Übungen sollten Senioren ihre Wohnumgebung barrierefrei und sicher gestalten. Die AGR empfiehlt, auf Stolperfallen zu achten und das Zuhause durch entsprechende Hilfsmittel anzupassen. Umfassende Informationen unter Externer Link:www.agr-ev.de/therapie-und-pflege