Kategorie Pflege

Hamburger verlieren Vertrauen in die Pflege

Von: red

DAK hat Menschen zur Pflegeversorgung befragt – VdK fordert ein Bündel an Maßnahmen

In Hamburg gibt es einen großen Vertrauensverlust der Bevölkerung in die Pflegeversorgung: 69 Prozent der Menschen bewerten die Pflegesituation derzeit als nicht oder gar nicht gut.

Eine gestürzte Frau kniet auf dem Fußboden und ruft nach Hilfe.
Ob eine Pflegekraft kommt, hängt nicht nur vom Pflegegrad ab. Häufig fehlt einfach das Personal. © stock.adobe.com//Rawpicel.com

Fast jeder Zweite rechnet mit einer Verschlechterung innerhalb der nächsten zehn Jahre. Das geht aus einer aktuellen repräsentativen Umfrage durch das Institut für Demoskopie Allensbach (IfD) im Auftrag der DAKkurz fürDAK-Gesundheit-Gesundheit hervor.

Die Umfrage zeigt die Erwartungen der Menschen in Hamburg an Politik und Pflegereform: 87 Prozent der Befragten fordern, dass die Pflege in Deutschland „für alle bezahlbar“ werden müsse. Hohe Kosten für die Pflege im Heim werden als eines der zentralen Probleme benannt. Ende 2025 hatte die von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken eingesetzte Bund-Länder-Kommission „Zukunftspakt Pflege“ ihre „Roadmap“ für die angekündigte große Pflegereform vorgelegt. 

Weckruf

„Unser DAKkurz fürDAK-Gesundheit-Pflegereport zeigt eine große Verunsicherung der Bevölkerung in Hamburg“, sagt Jens Juncker, Landeschef der DAKkurz fürDAK-Gesundheit-Gesundheit. „Die Ergebnisse der Allensbach-Befragung sind ein Weckruf an die Politik in Bund und Ländern. Das Vertrauen der Menschen in die Pflege muss gestärkt und die bekannten Probleme in der Finanzierung und Versorgung müssen gelöst werden. Wir brauchen jetzt eine Reform mit einer strukturellen Neuausrichtung der Pflegeversicherung, die die Menschen in Hamburg ausreichend, verlässlich und bezahlbar absichert.“

Für den DAKkurz fürDAK-Gesundheit-Pflegereport hatte das Institut für Demoskopie Allensbach gemeinsam mit Studienleiter Professor Thomas Klie bundesweit rund 4400 Menschen zwischen 16 und 75 Jahren befragt, davon knapp 160 in Hamburg. Die Ergebnisse zeigen die Erwartungen, Ängste und Herausforderungen der Bevölkerung auf. Demnach sehen 76 Prozent der Befragten in Hamburg die Finanzierung der Pflegeversicherung als nicht gesichert an.

Die Mehrheit der Menschen in Hamburg sieht die Pflegeversorgung gefährdet: 69 Prozent der Befragten empfinden diese als nicht gut oder gar nicht gut. 49 Prozent gehen davon aus, dass sich die Situation in den kommenden zehn Jahren weiter verschlechtert. Wie im Bund sehen die Befragten in Hamburg die größten Probleme in den Bereichen Versorgung und Finanzierung: 72 Prozent der Befragten nennen an erster Stelle Personalmangel und fehlende Pflegekräfte. Es folgen mit 70 Prozent die hohen Kosten für Pflegebedürftige und ihre Familien bei stationärer Pflege. Zwei Drittel bewerten die Finanzierung des gesamten Pflegesystem als größtes Problem.

87 Prozent sehen es als wichtigstes Ziel, die Pflege für alle Menschen bezahlbar zu machen. 83 Prozent erwarten eine langfristige Sicherung der Finanzierung. Für 72 Prozent ist die Deckelung der Pflegeheimplatzkosten wichtig, während sich 69 Prozent eine Vereinfachung des Leistungssystems wünschen. Die große Mehrheit (86 Prozent) der Befragten in Hamburg erlebt es als ungerecht, nach langjähriger Einzahlung in die Pflegeversicherung bei Pflegebedarf nicht ausreichend abgesichert zu sein. Beinahe genauso viele (85 Prozent) sind überzeugt, dass die Pflege für viele Menschen schlicht nicht mehr bezahlbar ist. Drei Viertel fürchten, durch die Kosten überfordert zu werden, sollten sie selbst pflegedürftig werden. 70 Prozent setzen Pflege mit einem Armutsrisiko für Pflegebedürftige und ihre Familien gleich.

Staat in der Pflicht

Um die Finanzierung der sozialen Pflegeversicherung auf ein zukunftssicheres Fundament zu stellen, sieht die Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger in Hamburg den Staat in der Pflicht: Mehr als die Hälfte der Befragten (58 Prozent) findet, es sei ausschließlich Sache des Staates und der gesetzlichen Pflegeversicherung, einen Pflegebedarf abzusichern. 58 Prozent finden, es sollten staatliche Zuschüsse oder Steuermittel eingesetzt werden, um die Absicherung von Pflegebedürftigen sicherzustellen. 47 Prozent finden, Vermögende sollten im Pflegefall stärker an den Pflegekosten beteiligt werden. 44 Prozent halten eine Beitragserhöhung für vermögende oder gutverdienende Menschen für den richtigen Weg. Ein klares Meinungsbild gibt es auch zur Überlegung der Bund-Länder-Arbeitsgruppe, eine private Pflegezusatzversicherung einzuführen: Nur eine Minderheit von 13 Prozent befürwortet dies. 

VdK-Forderungen

Der VdK schlägt schon seit Langem vor, die Investitionskosten in stationären Pflegeeinrichtungen vollständig durch die Bundesländer zu finanzieren. Dadurch könnten Bewohnerinnen und Bewohner deutlich entlastet werden. Zusätzlich würde die Übernahme der Ausbildungskosten für Pflegekräfte eine weitere Entlastung bringen. Auch die ambulante Pflege ist von deutlichen Kostensteigerungen betroffen. Grund hierfür sind in erster Linie steigende Personalausgaben. Allerdings fehlen bislang umfassend erhobene Daten zur Kostenentwicklung. Der VdK warnt vor einer Reduzierung der ambulanten Leistungen und einer höheren Belastung für Angehörige. 

Darüber hinaus fordert der VdK ein Erwerbs- und Besitzverbot für Private-Equity-Fonds in der Pflegewirtschaft sowie eine strenge Grenze für Renditen. Ferner spricht sich der Verband für eine Dynamisierung der Leistungen der Pflegeversicherung aus, die sowohl die ambulante als auch die stationäre Pflege umfasst. Anstatt einzelne Bereiche isoliert zu betrachten, müsse die Politik die Pflege unabhängig vom Ort der Pflege in den Blick nehmen, um sie langfristig finanzierbar und qualitativ hochwertig zu sichern.