Kategorie Tipp Kinder und Jugendliche

Kostenfrei ins Schwimmbad

Von: red

Hamburg will mehr Kinder ins Wasser locken und verteilt Gutscheine an alle Erstklässler-Familien

Sport und Bewegung sind wichtig für eine ganzheitliche Entwicklung und das gesunde Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen. 

Ein Schwimmbrett ist ein universelles Hilfsmittel für das Schwimmtraining.
Nicht jedes Kind kann schwimmen. Eine Aktion in Hamburg will außerschulische Angebote schaffen. © stock.adobe.com/Michael

Mit der Active City Strategie hat sich Hamburg das Ziel gesetzt, immer mehr Kinder und Jugendliche in Bewegung zu bringen. Das Wachstum der letzten Jahre im Jugendbereich der Vereine zeige, dass man damit schon erfolgreich sei, erklärt die Hansestadt.

Mit der Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele will Hamburg jetzt noch weitergehen: Jedes Kind soll zukünftig in der Schule verlässlich fünf Stunden Sport in der Woche haben, davon drei im Regelunterricht am Vormittag und zwei weitere im betreuten schulischen Ganztag. Das Ziel dahinter: In den kommenden Jahren soll eine „Olympische Generation“ aktiver und sportbegeisterter junger Menschen in Hamburg aufwachsen. 

Ungleiche Chancen

Damit das gelingt, investiert die Hansestadt auch in die Schwimmfähigkeit von Kindern. Insbesondere seit der Corona-Pandemie besteht hier bundesweit Nachholbedarf. Auch der Hamburger Bewegungsbericht zeigt, dass die Schwimmfähigkeit bei Kindern in Hamburg regional unterschiedlich verteilt ist. Die Daten deuten darauf hin, dass Kinder aus sozial schwachen Stadtteilen seltener die entsprechenden Vorerfahrungen mitbringen und somit mit schlechteren Voraussetzungen den Schwimmunterricht als Kinder anderer Stadtteile beginnen.

In Zahlen: Im Schuljahr 2024/25 erreichten 84,3 Prozent (Vorjahr: 83,9 Prozent) aller Viertklässlerinnen und Viertklässler am Ende ihrer Grundschulzeit mindestens das Schwimmabzeichen Seepferdchen, davon 74 Prozent mindestens das Bronze-Abzeichen (Vorjahr: 70,9 Prozent). Bezogen auf den Gesamtjahrgang waren es 62,4 Prozent. Dennoch ist die Zahl der Kinder, die zu Beginn des Schwimmunterrichts nicht schwimmen können, nach wie vor sehr hoch (53,5 Prozent). 

Zuletzt hat Hamburg mit der „Schwimmlern-Offensive“ in den Jahren 2022 und 2023 ein Angebot mit geförderten Schwimmlernkursen auf den Weg gebracht. Davon hatten rund 15.000 Kinder profitiert. Mit der Aktion „Ab ins Wasser“ geht das Landessportamt und das Bäderland Hamburg jetzt noch einen Schritt weiter: Mehr Kinder sollen von klein auf an das Element Wasser herangeführt werden. Denn nur wenn Kinder schon früh das Schwimmbecken als positiven Erlebnisort entdecken würden und erste Erfahrungen im Wasser gesammelt hätten, könne das sichere Schwimmen im Rahmen des Schulschwimmunterrichts leichter und schneller gelingen, betont die Behörde.

Was ist geplant?

Um Familien mit Kindern einen niedrigschwelligen Zugang zu verschaffen, erhalten alle Schülerinnen und Schüler der aktuellen Jahrgangsstufe 1, die im Sommer 2025 eingeschult wurden, einen Bäderland-Eintrittsgutschein, mit dem sie dreimal innerhalb des dreimonatigen Aktionszeitraums kostenfrei mit einem Elternteil ein Bäderland-Schwimmbad ihrer Wahl besuchen können. 

Begleitet wird die Gutschein-Aktion durch das Verteilen von „Aquabags“. Darin enthalten sind mehrsprachiges Infomaterial, Wasserspielzeug und Hinweise zu Lernvideos. Zudem gibt es spezielle Aktionstage, die unter anderem in den Frühjahrsferien (2. bis 13. März) stattfinden. An diesen Tagen helfen und unterstützen erfahrene Schulschwimmlehrkräfte bei der Umsetzung entsprechender Übungen und geben Hilfestellungen, damit Kinder spielerisch die Bewegung im Wasser lernen können. Am 15. Mai findet abschließend ein großer Aktionstag an allen Bäderland-Standorten statt. 

Die Finanzierung der rund 19.000 Gutscheine erfolgt durch die Sportbehörde. Insgesamt investiert Hamburg rund 800.000 Euro, um Hamburgs Kinder fit fürs Schwimmbecken zu machen. „Schwimmen zu können, ist in Hamburg wie Laufen- und Sprechenlernen“, betont Sportsenator Andy Grote. „Damit wirklich jedes Kind Bewegung und Aktivität im Wasser als etwas Selbstverständliches wahrnimmt, helfen wir beim ersten Schritt ins Wasser.“ 

„Das passt bestens zu Hamburg als Active City und als Bewerberstadt für die Olympischen und Paralympischen Spiele“, meint Kollegin Katharina Fegebank, Senatorin für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft. Und auch Susan Zetzmann, Geschäftsführerin von Bäderland Hamburg ist vom Konzept überzeugt: Mit „Ab ins Wasser“ setze man bewusst früh an und stärke Sicherheit und Selbstvertrauen. 

Unterstützung kommt auch aus dem Leistungssport. Stephan Haumann, Bundestrainer beim Deutschen Schwimmverband sagt: „Über die Hälfte der Grundschüler können nicht sicher schwimmen. Dieses große gesellschaftliche Problem geht der Hamburger Senat jetzt entschlossen und evidenzbasiert an. Das begrüßen wir sehr und sehen darin ein wichtiges Signal – weit über Hamburg hinaus.“ 

In Kürze

Motto „Ab ins Wasser“ verteilt Hamburg Gutscheine an alle aktuellen Erstklässler. Im Aktionszeitraum vom 1. März bis zum 31. Mai können sie jeweils mit einem Elternteil dreimal gratis ins Schwimmbad gehen. Dort werden kostenlos sogenannte Aquabags mit Wasserspielzeug und mehrsprachigem Info-Material verteilt. 

In den Frühjahrsferien (2. bis 13. März) gibt es Aktionstage in Billstedt, Wilhelmsburg, Lurup und Bramfeld, wo bisher besonders wenige Kinder schwimmen können. Am 15. Mai ist noch ein Aktionstag in allen Schwimmbädern der Stadt geplant.